Freitag, 19. November 2010

Herbstimpression

An seinen Sohlen klebt wie Pech der Straßenstaub,
auf seinen Wangen bricht sich noch ein Sonnenstrahl.
Er legt sich müde in das ausgediente Laub.
Und heute tut er das vielleicht zum letzten Mal.

Der Zeiger seiner Uhr steht schon seit Stunden still,
doch seine Augen blicken geradewegs nach vorn.
Er hat vergessen was er suchte, was er will
passt ganz und gar hinein in dieses Gerstenkorn.

Kein Kind gezeugt, nicht einen Baum gepflanzt,
kein Klingelschild trug jemals seinen Namen.
Er hat auf viel zu vielen Hochzeiten getanzt
und schleppt sein Bündel doch seit Jahr und Tag allein.

Spricht mit den Astern, lauscht dem Singsang der Platanen.
Und weiß noch immer nicht was es bedeutet frei zu sein.

© Simone Keil

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