Samstag, 16. April 2011

Zwielicht

Der Teich der Feen von Narcisso Virgilio Díaz de la Peña


Wenn Raureif auf Holunderblüten
tanzt wie kleine, dicke Feen,
wenn Sonnenstrahlen Nasen kitzeln
und in endlos tiefen Seen
sich die Schatten gnomisch formen,
steht die Welt am Scheidepunkt.

Auch wenn die Mütter ihre Kinder
an Hand und Kleidern mit sich zerren,
wenn Hunde mit zu kurzen Schwänzen
wie rollige Bengalen plärren,
bricht jäh der Tag durch alte Normen
und reibt sich seine Schenkel wund.

Schweig still und sieh wie sich die Farben
aufs Neue binden, trennen, mischen.
Hörst du die Stimmen alter Raben?
Den Sonnenstrahl im See verzischen?
Glaub nicht, du kennst den Lauf der Welten,
denn Regeln brechen, Träume gelten.


© Simone Keil

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