Samstag, 15. September 2012

September


Drehst du dich um,
in feuchter Erde,
und siehst zurück,
wenn ich die Pforte schließe?
Und ist es dunkel
hinter den Hibiskusblüten?

Ein Regenschauer fragt nicht ob
und wann und überhaupt.
Und hätte es nicht so geregnet,
hättest du daran geglaubt,
dass sich die Sonnenuhren drehen,
der Wetterhahn die Wolken frisst,
dass die Gedanken mal nach Süden wehen
und mal dahin, wo keine Menschenseele ist?

Und wenn ich meine Augen schließe,
ist es das gleiche Dunkel, das ich sehe?
Das gleiche, das auf deinen Lidern liegt?
Und wenn ich mich in meinen Laken drehe,
ist es ein Traum, der so gedankenschwer
auf meinen Gliedern wiegt?

Die Sonne steht schon tief,
die Krähen faseln was von Kupferbäumen,
von einem Morgen,
das wie rosa Zuckerwatte schmeckt.
Die Nächte werden auch schon wieder kühler
und gestern hat der Frost an meinem Fenstersims geleckt.

Was hättest du zu diesen Versen wohl gesagt
und zu den Falten unter meinen Augen?
Und zu den alten Liedern,
die im Herbstwind plötzlich anders klingen,
als würde jemand sie in einer fremden Sprache singen?

Du hättest deinen Kopf geschüttelt
und gefragt, ob man aus Butterbrotpapier
ein Zirkuszelt erschaffen kann;
mit Clowns in kunterbunten Masken
und Akrobaten, die auf dünnen Drähten balancieren,
ganz ohne Halteseil und Netz.

An meinen Nägeln klebt ein wenig Erde,
und selbst die Krähen sind schon heim geflogen.
Die Regenwolken haben sich verzogen.
Es riecht ein wenig wie zu jener Zeit,
als Jahrmarktsbuden noch wie Märchenschlösser schienen.
Ich glaube nicht, dass du mir nachsiehst, wenn ich gehe,
doch weiß ich wieder wie dein Lachen klang.


© Simone Keil 2012


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen