Sonntag, 21. September 2014

Guy Lacroix und das Grauen des Alltags

Ich hatte einige nette Anfragen, die wissen wollten, wann es denn nun endlich mit Guy weitergeht.
Ihr Lieben, die Zahnräder drehen sich noch, nur mussten erst mal einige Wartungsarbeiten am Uhrwerk durchgeführt werden, die einige Zeit in Anspruch nahmen. Sprich: Der Job, das Leben, ein anderer unheimlich aufdringlicher Protag, den ich vorziehen musste, mal krank gewesen und was alles so anfallen kann, haben Guy leider etwas in den Hintergrund gedrängt. Aber nun steht er wieder ganz vorne in der Schlange und muss, ob er will oder nicht, seinen Job erledigen. Er ist auch schon ziemlich motiviert, Rumsitzen und Nichtstun liegen ihm ja nicht besonders. ;)
Damit das Warten nicht so schwer fällt, dürft ihr schon mal einen Blick in den dritten Teil werfen. (Der Text ist roh und noch nicht korrigiert.) 

1

Guy Lacroix stopfte seine Pfeife, zündete sie an und schnippte das Streichholz auf Inspektor Voigts Schreibtisch. 
Ohne eine Miene zu verziehen, legte Voigt es in den Aschebecher. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück. »Es tut mir leid, Lacroix, aber ich hatte Sie gewarnt. Ich kann leider nichts mehr für Sie tun.«
Guy lachte auf. »Sind Sie so von Ehrgeiz zerfressen, dass Ihnen alles egal geworden ist? Oder fehlt Ihnen einfach der Schneid, um sich gegen die Willkür der DMG aufzulehnen?«
Voigt beugte sich vor und faltete die Hände auf dem Schreibtisch. »Sie sind unbefugt in das Haus einer hochgestellten cölner Persönlichkeit eingedrungen und haben dort nichtgenehmigte Ermittlungen durchgeführt. Was erwarten Sie? Einen Orden?«
»Ich habe einen Verbrecher dingfest gemacht, Inspektor. Einen überaus gefährlichen Mörder, der mit Sicherheit noch mehrere Menschen getötet hätte.« Guy ballte die Hand zur Faust und ließ die Knöchel knacken. »Verbrecher fangen, das ist mein verdammter Beruf.«
»Lacroix!« Voigt erhob sich und rieb sich mit der Hand über die Stirn, bevor er ans Fenster trat und nach draußen sah. Er schwieg einen Moment, verschränkte die Hände auf dem Rücken. »Wir alle müssen Regeln befolgen, wenn eine Gesellschaft funktionieren soll«, sagte er. »Und ganz besonders als Polizeibeamte. An der Entscheidung ist nicht zu rütteln.« Jetzt drehte er sich um und sah Guy in die Augen. »Das KKA dankt Ihnen für die längjährige und fruchtbare Zusammenarbeit. Räumen Sie Ihren Schreibtisch aus, die Suspendierung tritt ab sofort in Kraft und ist unwiderruflich. Sie erhalten für diesen Monat die vollen Bezüge. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.«
Guy stand auf und trat so dicht vor Voigt, dass er dessen Rasierwasser riechen konnte. »Cöln geht den Bach runter, Voigt. Die DMG übernimmt alle staatlichen Stellen und Leute wie Sie, haben ihren Teil dazu beigetragen. Eines Tages werden Sie in den Spiegel sehen und Ihnen wird klar werden, dass Sie diesen Mann, der Ihnen daraus entgegenblickt, lieber nicht kennen würden. Aber dann ist es zu spät.« Er setzte seinen Hut auf und verließ das Büro des Inspektors.
»Kommissär?« Kimura hatte vor der Tür gewartet und nickte Guy zu. »Wie ist es gelaufen?«
»Ich bin raus, Haruki. Entlassen. Das war es dann.«
»Aber das kann Inspektor Voigt nicht …«
»Doch, er kann und er hat.« Er hob die Hand, als Kimura weiterreden wollte. »Lassen Sie es gut sein. Sie können jetzt hineingehen. Und keine Angst, Sie werden Ihre Stelle nicht verlieren, die Verantwortung lag allein bei mir.« Er klopfte dem Assistenten auf die Schulter und ging in sein Büro, um seine Sachen zu packen.
Neunzehn Jahre Polizeidienst mit allen Höhen und Tiefen. Viel zu viele Verbrecher waren ungeschoren davon gekommen, aber für die, die er erwischt hatte, hatte sich das alles gelohnt. Die Entbehrungen, das mickrige Gehalt, die Verletzungen, die Gefahr, der er jeden Tag ausgesetzt war. Neunzehn Jahre und dann wischte die verfluchte DMG das alles weg, als wäre es nicht mehr wert, als der Ruß unter den Sohlen eines dieser verdammten Dampfmagier. In der Hölle sollten sie alle schmoren. 
Fräulein Schiermann brachte ihm einen Karton und schnäuzte sich geräuschvoll in ihr Taschentuch. »Was sollen wir denn nur ohne Sie machen, Herr Kommissär? Das Kommissariat wird nicht mehr dasselbe sein.«
Guy warf einige Akten in den Karton und schüttelte den Kopf. »Das Kommissariat war schon lange nicht mehr das, was es einmal war.« Zuletzt legte er die Photographie von Hedwig in die Schachtel und klemmte sie sich unter den Arm.
Fräulein Schiermann schluchzte auf. »Wenigstens einen Kuchen hätte ich Ihnen gern zum Abschied gebacken.«
Guy legte ihr eine Hand auf die Schulter. »Die Welt geht nicht unter, wenn ich weg bin. Wahrscheinlich wird Fuchs mein Büro übernehmen, backen Sie den Kuchen für ihn. Leben Sie wohl, Fräulein Schiermann.«
Sie schnäuzte sich wieder und schenkte ihm ein halbes Lächeln. »Sie alter Witzbold. Ich werde Sie vermissen.«
Guy blinzelte ihr zu und machte sich auf den Weg in die Pension Flax. Die Eingangstür schlug hinter ihm zu und er atmete tief ein. Ein klarer, sonniger Tag. Ein ausgezeichneter Tag, um entlassen zu werden. Er trat vor den Reifen eines Polizeiwagens und fluchte. 
»Herr Kommissär?« Kimura sprang die Stufen herunter und lief auf ihn zu. Unter dem Arm trug er seine Aktentasche. »Warten Sie, ich begleite Sie ein Stück.«
»Sie sollten lieber wieder hinein gehen, ich denke nicht, dass Voigt sehr erbaut wäre, wenn Sie weiterhin Kontakt zu mir pflegen.«
»Inspektor Voigt hat mir nichts mehr zu sagen.«
»Was? Er hat Sie ebenfalls entlassen? Das kann doch nicht sein ernst sein!« Guy stellte den Karton auf der Motorhaube eines der schwarzen Dienstwagen ab und schlug die Faust in seine Handfläche.
»Nein, Herr Kommissär«, Kimura grinste, »ich habe gekündigt.« 
»Sind Sie verrückt geworden? Kimura, solche Dinge passieren. Das ist aber kein Grund, Ihre Karriere hinzuschmeißen.«
»Das war nicht der Grund, Herr Kommissär. Mir ist klar geworden, dass die Polizeiarbeit nicht das Richtige für mich ist. Regeln, Kontrolle, starre Strukturen. Das ist nichts für mich.«
»Und was wollen Sie jetzt machen?«
Haruki zuckte die Schultern, grinste aber immer noch. »Ich weiß es nicht.«
»Das klingt nach einem langüberlegten, ausgeklügelten Plan.« Guy nahm seinen Karton und sie gingen gemeinsam über den Parkplatz, durch das schwere schmiedeeiserne Tor, auf die Straße hinaus. »Wie wäre es für den Anfang mit einen Bier bei Oma Schmitz?«
»Sehr gerne, Herr Kommissär, ich hatte sowieso nichts anderes vor.«
»Hören Sie auf, mich Kommissär zu nennen.«
»Jawohl, Herr Kommissär.«
Guy schüttelte den Kopf. Neunzehn Jahre. Vielleicht war es einfach an der Zeit gewesen. Zu viel hatte sich verändert, das KKA war nicht mehr dasselbe, die alten Kollegen waren bereits im Ruhestand oder gestorben, und die Frischlinge wuchsen in die Strukturen aus Korruption und Anbiederung an die DMG hinein, als wäre es niemals anders gewesen. Bald würde sich niemand mehr daran erinnern, was Recht überhaupt ist. Vielleicht war es gut, dass Kimura den Absprung geschafft hatte, bevor er ein Teil dieser Maschinerie wurde. »Nenn mich Guy, mein Junge. Wenn ich noch einmal Kommissär höre, stecke ich dich mit dem Kopf in einen Abfallkübel, verstanden?«
»Jawohl Herr … Guy. In Ordnung.«
Sie schüttelten sich die Hände. »Was zur Hölle hat M mit dir angestellt? Seit du das letzte Mal bei ihm warst, bist du schon so verändert.«
Haruki legte den Kopf in den Nacken und schirmte seine Augen mit der Hand ab. »Sehen Sie das Luftschiff, Guy?«
Guy betrachtete das ætherbetriebene Gefährt. »Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, dass die Dinger nicht vom Himmel fallen.«
»Faszinierende Technik.« Kimura sah Guy an. »M hat mir nur bewusst gemacht, dass das Leben einiges zu bieten hat. Und jetzt will ich herausfinden, was es mir zu bieten hat.«
Guy nickte. »Nun komm, ich bin am verdursten.«

Kommentare:

  1. *mir die augen zuhält*
    Neeein, ich will noch nix sehen! Ich warte geduldig, bis der Guy den Startschuss gibt!
    Ich wünsche dir eine gute Tippmotivation! Und viel Schreibzeit! :-D

    LG
    Tilly

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    1. LOL Es dauert noch ein bisschen, aber ich geb mir Mühe, mir genügend Zeit dafür freizuschaufeln. :-))

      LG
      Simone

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