Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Faszination unvollendeter Projekte

Das kennen wohl alle AutorInnen: Man beginnt ein Projekt, plant, plottet (oder wie auch immer man an seine Projekte herangeht), schreibt, hat viel Spaß dabei und dann kommt alles ganz anders. Das Leben, der Job, andere Projekte und notorischer Zeitmangel funken einem dazwischen und man muss zwangsläufig irgendetwas auf Eis legen, wenn man nicht burnoutet in der Klappse landen will. 

Aber Gedanken lassen sich nicht so einfach steuern und schon gar nicht ruhig stellen. Irgendwo im Hinterkopf brodeln alle vernachlässigten oder eingelagerten Projekte weiter vor sich hin. Die Figuren führen ihr eigenes Leben, werden möglicherweise älter, reifer, eigensinniger, manche sterben vielleicht sogar, aber eines tun sie niemals: Sich mit ihrem Dasein auf dem Abstellgleis zufrieden geben.

Und das ist auch gut so.

Vor einigen Tagen ist mir eine dieser zwangsbeurlaubten Geschichten wieder in die Hände gefallen. Und was soll ich sagen, etwas ganz besonderes passierte mir beim Lesen: Die Figuren erwachten in meinem Kopf zum Leben, als hätte es diese zweijährige Pause nie gegeben. 

Normalerweise liest man als Autorin seine eigenen Geschichten mit der Lektorinnenbrille auf der Nase, runzelt die Stirn bei manchen Sätzen, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen bei so einigen Entwicklungen, betätigt unheimlich unauffällig die Löschtaste bei so mancher Formulierung, die man damals, als man sie schrieb, natürlich für überaus genial hielt. ^^ 

Aber all das passierte mir dieses Mal nicht. Die Lektorinnenbrille blieb in der Schublade liegen und ich las die Geschichte mit Leserinnenaugen – einfach so, zum Spaß. Und was soll ich sagen? Ich hatte Spaß dabei. An einigen Stellen habe ich gelächelt, an anderen hatte ich Pipi in den Augen, ich hab mich neu verliebt, das Beste erhofft und das Schlimmste gefürchtet, und insgesamt fühlte es sich an wie nach Hause zu kommen. 

Dann habe ich mir ein neues Notizbuch geschnappt und einfach drauflosgekritzelt, alte Gedanken hervorgekramt und neue entstehen lassen, und werde nun mal schauen, wo sie mich und die Geschichte hinführen. Genügend Ideen haben sich auf jeden Fall angesammelt.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Blog, auf dem ich die Geschichte damals veröffentlicht habe. Ich bin nicht sicher, ob der Anfang so bleiben wird und wie es weitergeht, aber ich weiß ganz genau, dass es weitergeht. Denn solange eine Geschichte noch nicht beendet ist, werden die Figuren keine Ruhe geben – ganz egal, wie lange sie warten müssen. 

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